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 aus "Jagerbluad":
 
... auch diesmal sah es nach einer Pleite aus. Vom Jäger weit und breit keine Spur,
und nach dem langen Irrgang wussten beide den Weg aus dem Forst nicht zu nennen.
Allein der Stand der Sonne gab ihnen die Richtung an. Sie kämpften sich durchs Unterholz,
bis in einigen Metern Entfernung eine Lichtung zu erkennen war. Der Matzeder ging voraus
und schob sich durch die dichten Nadelbäume. Einmal hatte Reiter nicht aufgepasst und ein
Zweig peitschte ihm ins Gesicht. Doch da war die Lichtung, hier konnten sie eine kurze
Pause einlegen. Gerade als sie sich auf einen umgestürzten Baum setzten, knackte hinter
ihnen ein Ast am Boden und eine Stimme schrie sie schroff an:
»Wos treibts ihr eich denn da umernand?«
Mit dem Jagdgewehr fest in der Hand stand Lechner hinter ihnen. Schwammerlsuchen wären
sie und zeigten ihren Korb.
»Schwammerlsuacha? Dass i ned lach! I kenn di. Du bist doch da Matzeder. Des hob i no ned
ghört, dass du dei Zeit mit Schwammerlsuacha verbringst. Seids wohl eher beim Schlingen
auslegn, es Bagage. Zoag dein Rucksack, des mecht i scho sehn, wos da ois zum Vorschein
kimmt! Und des glaubst mir, i werd mit jedem Wuiderer fertig!«
Trotz der frechen Worte konnte der junge Jäger seine Aufgeregtheit nicht verbergen. Den
Herzschlag mag er bis in den Hals gespürt haben, und sein ganzes Gesicht war so rot wie
sonst nur seine Backen. Dem Matzeder kochte das Blut vor Zorn; musste er sich diesem
Bürscherl ausgeliefert wissen. Er stand auf, riss sich den leinenen Rucksack vom Rücken
und warf ihn vor sich auf den Waldboden.
»Dann schau doch nach und überleg dirs nächste Moi was d’ sagst!«
Lechner, der noch etliche Meter entfernt neben einem großen Fichtenstamm stand, blieb
einen Moment regungslos. Dann schritt er, auf den bösartig dreinschauenden Räuber
konzentriert, auf den Rucksack zu. Doch in seiner Hast verfing er sich mit einem Fuß im
Dornengestrüpp, strauchelte und fiel bäuchlings in das stachlige Grünzeug. Mit beiden
Händen seine Büchse festhaltend stützte er sich, fast ausgestreckt, gegen den Boden.
Gerade als er seinen Kopf hob, stampfte ein schwerer Stiefel auf den Gewehrlauf, und in
derselben Sekunde trat ihm ein zweiter Stiefel gewaltig ins Gesicht, dass es ihm in den
Augenhöhlen grad so aufblitzte. Er hatte die Kontrolle über die Situation verloren. Es ging
so schnell, dass er nicht einmal wahrnehmen konnte, wer ihn schlug. Ein Tritt in die Seite,
dann ein Holzstecken wieder und wieder auf Kopf und Rücken. Er merkte, wie ihm das
Gewehr aus den Händen gerissen wurde, doch er konnte kaum dagegenhalten. Jetzt war
er wirklich wehrlos. Noch einen Tritt seitlich in den Brustkorb, dann ließen sie von ihm ab.
Lechner stöhnte - kam auf alle Viere - dann hörte er jemanden aus Leibeskräften brüllen:
»Steh auf, du Sau! Wos glaubst denn du, wen du vor dir hast, ha? Du windigs Jager-
bürscherl du. Moanst du, du kannst es mit de Matzöder Raiber aufnehma? Di dawerf i
doch wia a jungs Katzl! Steh auf!«
Schmerzerfüllt und mit verzweifelten Augen richtete sich der junge Jäger auf seine Knie
auf. In seiner Wut legte Matzeder den geladenen Vorderlader an und drückte ab.
Das Krachen hallte weit durch den Wald und auf der Lichtung stand weißer Rauch.
Mit aufgerissenen Augen fiel der junge Körper fast lautlos vor den schnaufenden
Mördern zu Boden.
Tot war er noch nicht. Elend röchelte er, zog schwer die Luft in seine zerfetzten Lungenflügel.
Er versuchte sich noch einmal aufzurichten, fiel aber wieder mit dem Gesicht in das
Dornengestrüpp. Totenstille. Selbst die Geräusche des Waldes waren verstummt. Nach einer
endlos scheinenden Minute packte Matzeder den tödlich verletzten Lechner, zog ihn zum
nächsten Baum und setzte ihn mit dem Rücken an den Stamm. Alle Kraft war aus dem jungen
Burschen gewichen; nicht einmal den Kopf konnte er noch heben. Matzeder griff den roten
Schopf und lehnte ihn zurück an das Holz. Fast mitleidig, aber mit seinen starren kalten Augen,
sagte er nur noch: »Du dummer Bua!«
Jugendlicher Hochmut und Leichtsinn hatten Lechner in seinem schönen Jägerberuf kein Glück
gebracht. Hätte er eine Ahnung davon gehabt, was ihn erwarten würde, so hätte er sicher seine
Zufriedenheit als Dienstknecht gefunden. Obwohl das Verschwinden des Mathias Lechner noch
am selben Tag bemerkt wurde, dauerte es fast zwei Wochen, bis die Leiche im Wald entdeckt
wurde. Nach dieser Zeit hatten Verwesung und allerhand Getier den Körper grauenhaft zugerichtet.
 
Die Stelle im Wald, wo der junge Jäger ermordet wurde, heißt bis heute »Bluad-Liachtn«.

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aus "Reise ohne Wiederkehr":

 Voraus ritt der Gerichtsamtmann aus Gergweis. Hinter dem Wagen eine schwer
bewaffnete Abteilung Feldjäger und eine kleine Gruppe Gendarmen, die diese
gefährliche Fracht bewachten. Bei den zwei Gestalten handelte es sich um
Franz Matzeder und Franz Reiter, die am Vortag, den 27. Mai 1849, im
Wirtshause zu Pörndorf verhaftet wurden und dabei heftigen Wiederstand
mit Waffen leisteten.

Straubings Mauern, Türme und Zinnen waren schon lange in Sichtweite.
Die Geiselhöringer Straße führte durch Wiesen im ersten Frühlingsgrün,
über flaches, weites Land, nur gelegentlich von noch kahlen Büschen
und kurzgeschorenen Weidebäumen unterbrochen. Auf beiden Seiten der
Straße grasten hinter Zäunen Kühe und Pferde, zuweilen auch Schafe und
Ziegen: Vieh, das den umliegenden Bauern gehörte. Wohl über eine Wegmeile
sah der Reisende den prächtigen Prospekt Straubings vor sich und schien
seinem Ziel doch kaum näher zu kommen.
Ein mittelalterlicher Mauerring
schloss die Stadt ein. Ockerbraun, mit roten Ziegeldächern und verschiedenen
Farbtupfern, lag sie in der grünbraunen Ebene. Weißgraues Kieselgestein
leuchtete im Norden - das Bett der Donau, die in mehreren Armen
langgezogene Bänke umströmte. Sanft bewaldete Hügel bildeten im blauen
Dunst des Nachmittags den Hintergrund. Der alles überragende Stadtturm
mit seinen vier charakteristischen Ecktürmen und der Kirchturm der St. Jakob
Basilika, mit seiner schlanken und spitzen 95 Meter hohen Zwiebelhaube,
überragten alle anderen Gebäude und beeindruckten den sich nähernden
Fremden schon von weitem. Aus dem ausgedehnten Häusermeer mit den
unzähligen schmalen und steilen Giebeln die sich dicht aneinander drängten,
zeigten noch viele andere Turmdächer zum Himmel. Ein staunenswerter Anblick,
auch für die Gefangenen auf ihrem Karren, die noch nie in der schönen Gäuboden-
stadt gewesen waren. Sie sahen die Pracht freilich mit trüben Gedanken und
verdüsterten Seelen. Dies war die Stadt, in der ihnen der Prozess gemacht werden
sollte. Unaufhörlich klapperte der Karren mit seinem Mordgesindel auf die Stadt zu,
um das Stadttor auf der Nordseite noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.
Hier befand sich die berüchtigte Fronfeste. Entlang der westlichen Stadtmauer ging
es nördlich hinunter Richtung Donau. Hier kam bald der Pulverturm in Sichtweite.
Der Wagen humpelte den steilen Berg hinab, am Pulverturm vorbei und nach kurzer
Zeit erreichte er den nördlichen Stadtturm. Die Turmwache hieß den Zug anhalten
und ließ sich die amtlichen Papiere vorzeigen, bevor das Tor zur Weiterfahrt freigegeben
wurde. Gleich innerhalb der Mauern befand man sich am »Unteren Rain«. Der Wagen
bog nun scharf nach links ab und klapperte über Kopfsteinpflaster die letzten zweihundert
Meter geradeaus auf die Fronfeste zu. Hier erwartete sie bereits der Eisenmeister.
Der Amtmann stieg erleichtert vom Pferd und überreichte die Papiere, welche die
Gefangenen auswiesen und den Grund ihrer Festsetzung dokumentierten ...

 

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